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Die Verknüpfung von Musik, Astronomie und Kosmologie lässt sich bereits in der Antike, und insbesondere in Griechenland beobachten. Die Frage, ob und wie der Kosmos klingt und wie dies, in Verbindung mit der Astrologie, den Menschen beeinflusst, hat auch andere Kulturen und Epochen beschäftigt. Ein zentraler Meilenstein in Europa war dann vor allem Johannes Kepler (1571-1630), der über seinen Nachweis der Sphärenharmonien sogar das heliozentrische Weltbild musikalisch begründete. Aber auch zahlreiche Komponisten haben sich immer wieder mit den Klängen des Weltalls auseinandergesetzt – am bekanntesten sind hier Gustav Holsts 1918 uraufgeführte Orchestersuite The Planets, aber auch der Atlas Eclipticales (1961) von John Cage. Und wie kamen eigentlich die Voyager Golden Record (1977) zustande, deren Trackliste in enger Zusammenarbeit des NASA-Astrophysikers Carl Sagan und dem Musikethnologen Alan Lomax entwickelt wurde? Umgekehrt hat die moderne Astronomie versucht, wie im Sonification Project der NASA, die Beobachtungsdaten in Frequenzen zu übersetzen. Aber wie genau funktioniert diese Verknüpfung? Diese Fragen berühren zentral den noch jungen Forschungsbereich der Astromusikologie bzw. Exomusikologie, die sich auch mit Fragen zu und Spekulationen über extraterrestrische Musik auseinandersetzt.
Diese Vorlesung möchte einerseits dieser Verbindung von Musik und Astronomie als menschlicher Erfahrung des Weltalls nachspüren. Eine Ebene der Vorlesung ist daher die Auseinandersetzung mit den zentralen Schriften zur Sphärenharmonie und musikalischen Werken von Kunst- über Popularmusik bis zu traditionellen Repertoires oder der Umsetzung in Science-Fiction-Filmen zu diesem Themenfeld. Auf einer weiteren Ebene wird sich die Vorlesung andererseits kulturkritisch den naturwissenschaftlichen Verklanglichungen des Weltalls annähern. Dies wird in Verknüpfung mit einer Vertiefung analytischer Ansätze aus der Akustik und der Verbindung zur Wellenoptik erfolgen.
Zum Einstieg:
Greene, Richard. Holst: The Planets. Cambridge: Cambridge University Press, 1995.
Kepler, Johannes, Mysterium Cosmographicum. Tübingen 1596.
Kepler, Johannes, Harmonices mundi libri V. Linz 1619.
NASA, Sonifications. https://science.nasa.gov/mission/hubble/multimedia/sonifications/
Scott, Jonathan. The Vinyl Frontier: The Story of Nasa’s Interstellar Mixtape. London: Bloomsbury, 2019.
Zipp, Friedrich. Vom Urklang zur Weltharmonie. Werden und Wirken der Idee der Sphärenmusik. 2. Auflage. Merseburger, Kassel 1998, |